„Da wurde einiges verschleiert“

„Ich habe eigentlich großes Vertrauen in das deutsche Rechtssystem. Deutschland ist ein super Land, hier kann man toll leben. Aber in dem Fall… da wurde einiges verschleiert“, sagt der Besitzer dieses Kiosks, der um die Ecke vom Stern ist. Der türkischstämmige Mann freut sich über die Verurteilung von Beate Zschäpe. Ein fader Beigeschmack bleibt für ihn aber. „Das war nicht bloß ein Mord, da hat auch viel Politik eine Rolle gespielt.“

„Zschäpe gehört lebenslang ins Gefängnis“

„Ich hab damals in der Bunsenstraße gewohnt. Der Mord ist nur hundert Meter entfernt von meiner Wohnung passiert“, sagt Ahmet Dzemic (41), der gerade im Papa’s an der Holländischen Straße (direkt neben dem Haus, in dem Yozgat sein Internetcafé hatte, einen Espresso trinkt. Für ihn ist klar: Beate Zschäpe gehört lebenslang ins Gefängnis. Er erinnert aber auch an den Verfassungsschutz-Mitarbeiter, der damals im Café saß, als Zschäpes NSU-Komplizen Böhnhardt und Mundlos die Schüsse auf Halit Yozgat abfeuerten. „Der muss das mitbekommen haben.“ Mit der Verurteilung Zschäpes sei also noch nicht endgültig Gerechtigkeit eingekehrt, so Dzemic, der aus Sandzak in Serbien kommt und seit 2005 in Kassel lebt.

Urteil im NSU-Prozess gefallen

Beate Zschäpe ist im NSU-Prozess des Mordes in zehn Fällen für schuldig gesprochen worden – darunter der Mord an Halit Yozgat am 6. April 2006 in Kassel. Das Oberlandesgericht München stellte eine besondere Schwere der Schuld fest und verurteilte sie zu lebenslanger Haft. Alles zum heutigen Urteil lest ihr auf HNA.de. Wie der Tod von Halit Yozgat vor zwölf Jahren Kassel erschütterte und wie es um den Tatort in der Nordstadt heute aussieht, haben wir hier zusammengefasst.

Lebenslange Haft für Zschäpe gefordert

Im Prozess um die mutmaßliche Rechts-Terroristin Beate Zschäpe, hat die Bundesanwaltschaft heute Vormittag lebenslange Haft gefordert. Die 42-Jährige ist als Mittäterin der insgesamt zehn Morde, zwei Bombenanschläge und 15 Raubüberfälle angeklagt, die dem rechtsextremen Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) vorgeworfen werden. Einer der NSU-Morde wurde in Kassel begangen. Das Opfer war ein junger türkischer Geschäftsmann: Halit Yozgat wurde 2006 in seinem Internetcafé an der Holländischen Straße getötet. Mehr Informationen um den NSU-Prozess gibt es hier.

Gedenken an Halit Yozgat 

Der Vater des vor elf Jahren ermordeten Halit Yozgat spricht in diesen Minuten auf dem Halitplatz. Er fordert, den Mord endlich lückenlos aufzuklären und die Holländische Straße in Halitstraße umzubenennen. Die Tat wird der rechten Terrorgruppe NSU angelastet.

Londoner Wissenschaftler: Temme muss Schüsse gehört haben

Wenn der ehemalige Verfassungsschützer Andreas Temme anwesend war, als Halit Yozgat in seinem Kasseler Internetcafe an der Holländischen Straße heute vor elf Jahren erschossen wurde, dann muss Temme die Schüsse entgegen seiner Aussagen gehört und den Körper Yozgats hinter dem Tresen gesehen haben. Zu diesem Ergebnis sind Londoner Forensiker bei ihrer Untersuchung zur Rolle Temmes beim Yozgat-Mord gekommen, die sie in diesen Minuten bei einer Pressekonferenz in Kassel vorstellen. Sie hatten dazu das Internetcafe Yozgats in Lebensgröße nachgebaut und die Szene nachgestellt. Der Mord an Yozgat wird der rechtsextremistischen Terrorgruppe NSU zugeschrieben. Weitere Informationen folgen.

Londoner Wissenschaftler belasten Temme

Heute vor elf Jahren wurde Halit Yozgat in seinem Internetcafe an der Holländischen Straße erschossen. Der Mord wird der rechtsextremistischen Terrorgruppe NSU angelastet. Unklarheit herrscht bis heute über die Rolle des ehemaligen Kasseler Verfassungsschützers Andreas Temme. Er war am Tatort, will aber nichts von der Tat mitbekommen haben. Londoner Forensiker bezweifeln das. Die Wissenschaftler untersuchten den Fall unter anderem im Auftrag der Kasseler Initiative 6. April. In diesen Minuten stellen sie die Ergebnisse vor. Das Medieninteresse ist groß.

Im Schmerz verbunden: Familien der NSU-Opfer trafen sich in Kassel

Angehörige der NSU-Opfer aus ganz Deutschland haben sich gestern in Kassel getroffen. Gemeinsam besuchten sie die Gedenktafel am Halitplatz. Ganz in der Nähe, in seinem Internetcafé, wurde am 6. April 2006, Halit Yozgat getötet – er war eines der letzten NSU-Opfer. „Danke, dass Sie alle hier sind“, sagt der 61-jährige Vater von Halit Yozgat auf Türkisch. „Es bringt viel, wenn Menschen ihren Schmerz teilen.“ Sein Schmerz sitzt tief, auch nach zehn Jahren noch. Mehr zu dem Treffen lest ihr hier.

nsu

Mordfall Halit Yozgat: Polizei versuchte vergeblich, mit Verfassungsschutz zu sprechen

Mit Fragen an einen Ermittler im Fall des getöteten Internetcafé-Besitzers Halit Yozgat hat der hessische NSU-Untersuchungsausschuss seine Arbeit fortgesetzt. Ein 46-jähriger Beamter aus der damaligen Mordkommission berichtete im Landtag in Wiesbaden unter anderem, wie die Polizei vergeblich versuchte, mit V-Leuten des Verfassungsschutzes zu sprechen. Mehr dazu hier.

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