Dinge, die wir lernen wollten, dann aber doch aufgegeben haben

„Ach, ich könnte ja mal…“: Wie oft haben wir uns nicht diesen Satz schon gedacht. Egal ob Sprachen, Instrumente oder Sportarten – im Leben will man ja immer neue Dinge lernen. Ob man sie dann auch durchgezogen haben, steht auf einem anderen Blatt. Wir haben diese Dinge gesammelt.

Björn: Purzelbaum

Natürlich könnte ich hier jetzt darüber schreiben, wie blöd es war/ist, Fremdsprachen wie Spanisch oder Französisch nie so richtig gelernt zu haben. Auch mein übrig gebliebenes Schul-Englisch ist im Urlaub eher unusable. Die Probleme hierbei liegen vor allem darin, selbst Sätze zu formulieren. Die Sorge vor falschen Vokabeln oder einem eingedeutschten Satzbau ist oft zu groß (So kam es im Urlaub auf Madeira einmal zu dem wunderbaren Satz „We had no coins“ als Entschuldigung, warum mit einem 50-Euro-Schein bezahlt wird).  Das Verständnis klappt hingegen eigentlich sehr gut. Französisch habe ich nie gelernt (die Wahl fiel unverständlicherweise auf Latein) und Spanisch war nach zweieinhalb Schuljahren auch noch nicht wirklich tief verwurzelt. So viel zu meinen Sprach-Verfehlungen. Das dürfte aber vielen so gehen.

Wer braucht schon einen Purzelbaum?

So richtig schräg wird’s immer erst, wenn ich anderen erzähle, dass ich keinen Purzelbaum kann. Ich kenne tatsächlich sonst niemanden in normaler körperlicher Verfassung, der das nicht hinkriegt. Ich erinnere mich an die Tage als ganz kleiner Junge beim „Kinderturnen“. Damals ging das noch. Irgendwann habe ich mir dann in den Kopf gesetzt, dass mein Leben einen Purzelbaum nicht braucht. Auch die Ausrede „Mir wird schlecht dabei“ ließ (berechtigten) Hohn und Spott nicht verklingen. Tatsächlich hielt sich die Motivation irgendwann auch einfach in Grenzen, es noch zu üben und zu lernen.

Die Versuche endeten meist kläglich. Generell waren im Schulsport Unterrichtseinheiten mit den Themen „Rhythmische Sportgymnastik“ oder „Bändertanz“ ein rotes Tuch für mich. Man wird ja auch älter und unter Amateurfußballern herrscht zumeist eh eine gewisse…“Steifheit“. Das kann man sich einreden. Ärgerlich ist es irgendwie trotzdem, obwohl ich mich vermutlich – selbst wenn ich den Purzelbaum drauf hätte – weiterhin auf zwei Beinen und nicht purzelbaumelnd fortbewegen würde.

Nils: Polnisch

Mein Vater wird im August 60 Jahre alt. Das heißt: Eine große Familienfeier steht an. Klingt nach Spaß, und lustig ist es tatsächlich immer. Auch wenn ich nicht immer alles verstehe. Und da wären wir schon bei meinem Problem: Bei uns wird auf Familienfeiern viel Polnisch gesprochen. Aber ich kann kaum Polnisch, obwohl fast meine gesamte Familie in Polen geboren wurde. Eine der Ausnahmen heißt Nils, ist der Autor dieser Zeilen und erblickte in Nordrhein-Westfalen das Licht der Welt. Klar, ein bisschen Smalltalk auf Polnisch bekomme auch ich hin. Und bei vielen Gesprächen kann ich mir aus dem Kontext erschließen, was meine Verwandten gerade so unfassbar witzig finden. Wenn ich es in der Lebenslauf-Sprache ausdrückten müsste, würde ich sagen, dass ich in Polnisch über Grundkenntnisse verfüge. Nicht mehr, nicht weniger.

Nun stellen sich sicher viele die Frage, warum ich nicht fließend Polnisch spreche. Liegt ja auf der Hand, diese Frage. Meine Eltern trifft da keine Schuld. Vielmehr war ich das Problem, als ich noch ein kleines, bockiges Kind war. Folgende Geschichte wurde mir überliefert: Als ich ein kleiner Junge war, wollten mich meine Eltern zweisprachig erziehen. Nur hatten sie die Rechnung ohne mich gemacht! Immer, wenn meine Eltern mit mir Polnisch geredet haben, habe ich mich umgedreht und bin weggelaufen. Auf Polnisch hatte ich anscheinend mal so überhaupt keine Lust. Irgendwann haben meine Eltern dann aufgegeben, sie wollten mich auch nicht zwingen, was ich aus heutiger Sicht richtig finde.

Leider keine Folgekurse

Trotzdem finde ich es schade, dass ich die polnische Sprache nicht beherrsche. Als Journalist neben Englisch noch weitere Fremdsprachen fließend zu sprechen, wäre sicherlich kein Nachteil. Und ich habe sogar versucht, das Versäumnis aus meiner Kindheit auszubügeln. Im Bachelor an der Universität Düsseldorf habe ich einen Polnischkurs belegt. Niveau: A2. Den Kurs habe ich locker bestanden, nur gab es leider keine Folgekurse mehr.

So ist das Projekt, Polnisch zu lernen, leider ganz schnell wieder in der Schublade verschwunden. Auch, weil diese Sprache einfach verdammt schwierig ist. Und so werde ich im August auf der Feier meines Vaters sitzen und wieder Gespräche hören, die ich nicht komplett verstehe. Spaß haben und Lachen werde ich aber trotzdem.

Leonie: Klavier spielen

Singen konnte ich noch nie wirklich gut. Vielleicht unter der Dusche, wo es niemand hört außer ich. Und auch ein Instrument habe ich noch nie perfekt spielen können. Zu verdanken habe ich meine unmusikalische Ader meinen Eltern. Das soll jetzt kein Vorwurf sein, sie haben meine Kindheit halt eher auf den Sport ausgerichtet. Und dafür bin ich ihnen auch sehr dankbar. Aber mit der Zeit kam immer mal wieder das Bedürfnis hoch, meine musikalische Ader zu entdecken. Genauer gesagt, ein Instrument zu erlernen. Und zwar ein Richtiges, keine Triangel oder diese Rassel-Eier, man aus dem Kindergarten und der Grundschule kennt.

Sagen wir mal so, in meinem Elternhaus hätte ich die Möglichkeit gehabt, mein Bedürfnis zu stillen. Denn ganz hinten in einem Schrank voller Bücher lag sie: die Holz-Blockflöte meiner Mama, mit dazu gehörigem Notenbuch. Ich kann mich an einige Male aus meiner Kindheit erinnern, als ich zur Flöte gegriffen habe, um mich an Weihnachtsliedern und Happy Birthday zu probieren. Nach kurzer Zeit kam aber dann die ernüchternde Gewissheit: Ich habe kein Talent für dieses Instrument. So widmete ich mich weiter dem Sport und schrieb die Musik auf die Abschuss-Liste.

In der Pause schnell ans Klavier

Bis dann auf der Realschule in der 10. Klasse Musikunterricht auf dem Stundenplan stand. Und ich im Musikraum einen großen Flügel entdeckte und sofort hin und weg war. Da war sie wieder: die Lust ein Instrument zu erlernen. Leider hatte meine Lehrerin natürlich nicht die Zeit sich mir als Privatschülerin zu widmen  und so musste ich mich eben im Eigen-Studium probieren. Mit einem Freund der genauso Klavier-Verrückt war, wie ich, haben wir dieses Projekt in Angriff genommen. Wenn alle unsere Freunde in der großen Pause draußen auf dem Schulhof waren, flitzen wir in den Musikraum, um Klavier zu spielen. Angefangen haben wir mit Beatles-Songs wie „Let it be“ oder „Help“. Und auch an das Notenlesen trauten wir uns heran.

Doch die zehnte Klasse war schneller rum als gedacht. Und somit auch die Möglichkeit weiter Klavier spielen zu lernen. Und wenn ich ehrlich bin, in einem Jahr wird man auch kein Klavier-Profi. Also musste ich schweren Herzens wieder ein Instrument auf die Abschuss-Liste setzen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Doch gebe die Hoffnung nicht auf. Denn während meines Studiums an der Technischen Universität Dortmund habe ich etwas entdeckt. Nämlich die Möglichkeit sich mit einer Erlaubnis Zugang zum Musikraum des Kulturinstituts zu verschaffen, wo, Trommelwirbel, ein Klavier steht. Und an der Uni habe ich zwischen den Kursen und an freien Tagen mit Sicherheit genug Zeit, um mich dem Geklimper zu widmen. Es wäre auf jeden Fall eine Abwechslung zu meiner sonst so sportlich ausgelegten Freizeit. Und vielleicht habe ich dann auch so viel Gefallen an der Musik gefunden, dass ich mal wieder zur Blockflöte meiner Mama greife. An Weihnachten gäbe es dann mein großes „Einstands-Konzert“, nach dem hoffentlich keiner aus meiner Familie Ohrenschmerzen hat.

Von Björn Friedrichs, Nils Jewko und Leonie Freynhofer

Von Redaktion Kassel-Live
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