Auf das, was Dendemann zu sagen hat, musste man lange warten. Neun Jahre ist es her, dass es mit „Vom Vintage verweht“ neue Musik von ihm gab. Jetzt ist er wieder da – und mit „da nich für!“ gleich ganz oben in den Charts.

Ganz lupenrein war Dendemanns Auszeit nicht. Denn vermutlich erreichte der Rapper, der Daniel Ebel heißt, gerade in den vergangenen drei Jahren die meisten Menschen – mit seinen musikalischen Einlagen mit der Freien Radikale als Hausmusiker in Jan Böhmermanns „Neo Magazin Royale“.

Mehr als nur „Goldene Generation“

„Retro ist nie so gut wie das Original“, sagt Dendemann und beweist das auf seinem neuen Album mit souligen, leichten und fett produzierten Songs. „Wohnzimmer-HipHop, aber auf Level richtig laut“, nennt das der Sauerländer, der mittlerweile 44 Jahre alt ist und in Berlin lebt, in einem Interview.

In den 90ern war Dendemann einer von den deutschen Rappern, die ganz oben auf der Karriereleiter standen. Heute, wo Rap statt Pop zum dominierenden Genre wird, drückt man ihm und anderen Altstars den Titel „Goldene Generation“ auf – was aber zu kurz greift: Denn Dendemann gelingt es, sich nicht zu wiederholen. Weil er sich auf seine Sprache und sein Beobachterfeingefühl verlassen kann. Und auch auf seine Berliner Produzenten The Krauts (Marteria, Peter Fox). Sie setzen seine Musik zeitgemäß um – da wird nicht zwischen altem und modernem Sound unterschieden – Neues passiert.

Dendemann teilt auch aus

Auch wenn Dendemann gerade zufrieden mit sich und seinem Leben ist, wie er im ersten Titel, dem entspannt-chilligen „Ich dende also bin ich“ zu verstehen gibt („Bin mit meinem Schmutz im Reinen“), weiß er, dass es mehr gibt als das eigene Befinden. Dendemann teilt auf „da nich für!“ auch kräftig aus – in alle Richtungen. Vor allem gegen Oberflächlichkeit, Dumpf- und Stumpfsinn („Wo ich wech bin“, „Zeitumstellung“, „Zauberland“). Bei ihm haben aber Respekt und gute Reime stets Vorfahrt. Schnell fühlt man, wie sehr sein Wortwitz dem Rap fehlte.

Spitzenplatz in den Charts

Selbstbewusster klingen seine Texte („Menschine“, „Keine Parolen“) – und mit Casper, den Beginnern, Trettmann und Teutilla hat er tolle Partner an der Seite. Selbst wenn Dendemann mal einen Steinwurf vom Glashaus entfernt ist, nimmt man ihm das nicht übel, denn er ist keiner von den Rappern, die muskelbepackt und goldkettchenbehangen durch dumpfe, beleidigende und vor Gewalt triefende Reime auf sich aufmerksam machen. Bei ihm geht man beim Takt und beim Inhalt mit – belohnt wurde das mit dem Spitzenplatz in den Charts.

Dendemann: da nich für! (Vertigo Berlin)
Wertung: 5 von 5 Sternen
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Von Maja Yüce

Jahrgang 1973, seit 2000 bei der HNA: Redaktion Korbach, Redaktion Fritzlar-Homberg

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