100 Tage – 100 verbotene Bücher: Zwei Frauen

An 99 documenta-Tagen haben wir 99 Bücher vorgestellt, die am Parthenon der verbotenen Bücher hingen und erklärt, warum sie irgendwann irgendwo verboten waren oder noch sind. Wir beenden die Serie mit einem der letzten Bücher, das gleich abgenommen wird und einem der angenehmsten Gründe, warum manche Bücher verboten werden: „Erotik und Sex aus egoistischen und nicht aus Fortpflanzungs-Gründen“. So die Meinung des Heiligen Stuhls in Rom über Balzacs „Zwei Frauen“.

Kommen die Steiger?

Nein, das ist kein Archivbild von gestern Morgen, das ist die aktuelle Situation am Friedrichsplatz vor dem Parthenon, Punkt 8 Uhr. Gestern hieß es, dass um diese Zeit, das entsprechende Wetter vorausgesetzt, die Abnahme der Bücher fortgesetzt werden sollte. Die Verteilung sollte um 10 Uhr beginnen. Aber noch sind keine Steiger in Sicht und es ist niemand hier, der eine konkrete Auskunft geben kann. So leid es uns tut, wir müssen euch jetzt mal ein halbes Stündchen vertrösten. Schaut gegen 9 Uhr mal wieder rein.

100 Tage – 100 verbotene Bücher: Gossip Girl

Auch wenn der Parthenon heute gesperrt ist und keine Bücher ausgegeben werden, unsere Reihe, in der wir erläutern, warum manche Bücher dort platziert sind, ziehen wir durch: In Deutschland ab 14 Jahren empfohlen, im Fernsehen als Serie bestimmt auch schon von 12-jährigen Girlies verfolgt und dennoch irgendwo in der Welt auf dem Index? Jawohl, gerade der 8. Band von Cecyly von Ziegesars Soap-Geschichten über New Yorker Upper Class Mädels ging einigen frommen Communities im sogenannten Bible Belt der USA zu weit. Hat doch die Göre Vanessa gleichzeitig ein Verhältnis mit ihrem neuen Lover Aron und ihrem Ex Dan. Unmöglich aber auch…

100 Tage – 100 verbotene Bücher: Zwei Frauen

Honoré de Balzac… einer der ganz großen französischen Schriftsteller… Weltliteratur… und verboten? In det Tat. Nicht in einem bestimmten Land sondern bis vor 50 Jahren für alle Katholiken, die sich aber nur in Extremfällen daran gehalten haben. In dem Roman treffe zwei Frauen, freundschaftlich verbunden, aufeinander. Die eine ist verheiratet und führt ein abgesichertes, aber langweiliges Leben, die andere hat wechselnde Liebschaften und ein wesentlich aufregenderes Leben. „Zu aufregend“, befanden gleich mehrere Päpste. Das Buch stand über 100 Jahre auf dem Index des Papstes.

100 Tage – 100 Bücher: Else Laske Schüler „Der Prinz von Theben“

Das Geschichtenbuch „Der Prinz von Theben“ erschien 1914. Auf dem Homepage Künste im Exil heißt es, dass Else Laske Schülers Biographie wie „eine Metapher für die Verfolgung von Künstlern in der Nazizeit“ sei. Schülers Bücher wurden zensiert und verbrannt. Ihre Bilder galten als „entartet“ und aus der Berliner Nationalgalerie beschlagnahmt. Ihr Schauspiele wurden verboten. Auch im Schweizer Exil hatte Schüler Schreibverbot. Sie starb 1945 in Jerusalem. 

100 Tage – 100 verbotene Bücher: Bruder und Schwester

Ob Leonhard Frank, einer der bedeutendsten Schriftsteller in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, beim Schreiben schon geahnt hat, dass sein Roman über die inzestuöse Liebe zwischen einer Schwester und ihrem Bruder auf den Index kommt? 1929 war die Zeit jedenfalls noch nicht reif für ein Buch, das in der am Parthenon platzierten Ausgabe sogar als „für die Reise“ geeignet empfohlen wird. Frank eckte übrigens auch im Nachkriegsdeutschland der Adenauer-Ära als Schriftsteller immer wieder an, weil er – heute kaum vorstellbar – immer wieder über Verbrechen der Nazis schrieb. (Während der 100 documenta-Tage stellen wir täglich ein Buch vom Parthenon der veebotenen Bücher vor und erklären, warum es dort hängt.)

100 Tage – 100 Bücher: „Frühlingserwachen“ von Frank Wedekind

„Frühlingserwachen“ von Frank Wedekind erschien 1891 und ist ein gesellschaftskritisches Drama. Es geht um mehrere Jugendliche, die während ihrer Pubertät und ihrer beginnenden sexuellen Neugier mit den Problemen von Erwachsenen konfrontiert werden. Sie stoßen dabei vor allem auf gesellschaftliche Intoleranz. Wegen seiner angeblichen Obszönitäten wurde „Frühlingserwachen“ verboten. Heute ist es in Deutschland, Österreich und in der Schweiz in vielen Schulen Schullektüre. 

100 Tage – 100 Bücher: Persepolis

In der Graphiknovel „Persepolis“ beschreibt Autorin und Illustratorin Mariane Satrapi ihre Kindheit in Iran. Sie erlebt die Islamische Revolution im Iran mit, erzählt von islamischer Indoktrination in der Schule und bekommt Probleme wegen ihrer Vorliebe für Jeans und westliche Musik. Am Ende des Buches wird sie als 14-jährige von ihren Eltern ins Ausland geschickt. „Persepolis“ gewann einige Preise und Auszeichnungen, darf aber seit 2013 in Chicago nicht mehr im Unterricht gelesen werden.

100 Tage – 100 Bücher: „1000 Peitschenhiebe: Weil ich sage, was ich denke“ von Raif Badawi

Weil der saudi-arabische Blogger seine Gedanken über Politik, Religion und Freiheit im Internet teilte, wurde er zu zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt. „1000 Peitschenhiebe“ ist eine Sammlung seiner zentralen und verbotenen Schriften. Einen Text hat Badawi im Gefängnis verfasst. 

100 Tage – 100 Bücher: „Der Archipel Gulag“ von Alexander Solschenizyn 

Der Autor Alexander Solschenizyn veröffentlichte „Der Archipel Gulag“ im Jahr 1973. Es gilt als eines der einflussreichsten des 20. Jahrhunderts. Solschenizyn beschreibt darin das sowjetische Straflagersystem. Wegen der Kritik am stalinistischen System wurde das Werk in der Sowjetunion verboten. Heute ist das Buch eine Pflichtlektüre für alle Oberstufenschüler in Russland. 

100 Tage- 100 Bücher: Marlene – Bild einer berühmten Zeitgenossin von Alfred Polgar

Alfred Polger war einer der berühmtesten Schriftsteller der Wiener Moderne. Sein Buch über die Schauspielerin Marlene Dietrich schrieb er im Jahr 1937. Nach der Machtergreifung des NS-Regimes war für den österreichischen Juden in Deutschland kein Platz mehr. Sämtliche Werke von Polger wurden damals verbannt. Der Journalist Ulrich Weinzierl fand den Text erst im Jahr 1984 in New York. Gedruckt ist das Buch erst 2015 erschienen.

100 Tage – 100 Bücher: Lolita von Vladimir Nabokov

Lolita schildert die Liebesaffäre zwischen dem 37-jährigen Humbert Humbert und der 12-jährigen Dolores Haze, die Humbert Lolita nennt. Das Manuskript wurde zunächst von mehrern amerikanischen Verlagshäusern abgelehnt. Der Pariser Verlag Olympia Press wagte es 1955, Lolita zu drucken. Ein Jahr später führte eine Razzia in den Räumen des Verlags dazu, dass das französische Innenministerium den Verkauf und Export aller Titel des Verlags verbot.

100 Tage – 100 verbotene Bücher: Radetzkymarsch  

​Während der 100 documenta-Tage stellen wir täglich ein Buch aus dem Parthenon der verbotenen Bücher vor und erklären, warum es dort präsent ist. Heute: „Radetzkymarsch“ von Joseph Roth. 

Das Werk von Joseph Roth fiel der Bücherverbrennung der Nazis im Jahr 1933 zum Opfer. Weil Roth Jude war und sich gegen den Krieg und Hitler aussprach, wurde sein Roman aus dem Jahr 1932 von den Nazis verboten. 

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